Der Kunde als Einkaufsleiter
ModCloth bezieht seine Kunden in die Sortimentsauswahl ein
Die Hauptaufgaben eines Händlers bestehen in erster Linie darin, Kurator für die Kunden zu sein sowie sie auf einen bestimmten Stil zu prägen. Das bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch die Massen unterstützend mit in das Geschehen eingreifen können.
Das zeigt das Beispiel des unabhängigen Online-Bekleidungshändlers ModCloth. Dieses Unternehmen spricht seine Kunden direkt an und bittet sie, bei der Auswahl der Modelle, die in die Produktion aufgenommen werden sollen, mitzuhelfen. Seine Be-the-Buyer (Sei der Einkäufer)-Initiative startete ModCloth im November diesen Jahres. Die Abstimmung für oder gegen einen bestimmten Artikel erinnert bei ModCloth sehr an die Verfahrensweise des T-Shirt-Lieferanten Threadless. Doch während T-Shirts schon fast zu den Erzeugnissen gehören, die man aus fertigungstechnischer Sicht betrachtet, sieht das Sortiment von ModCloth weitaus vielfältiger aus. Es umfasst Kleider, Jacken, Shirts und Damenröcke, kurz: Bekleidungsstücke, deren Herstellung wesentlich komplizierter und aufwändiger ist als die der nach Standard zugeschnittenen T-Shirts.
Und genau hier kommen die virtuellen Einkäufer ins Spiel. So erklärt ModCloth: „Hin und wieder gibt es einen bestimmten Stil oder ein bestimmtes Schnittmuster, das wir geradezu anhimmeln. Doch leider kann es der Designer nur ab einer bestimmten und nicht zu unterschätzenden Stückmenge in die Produktion mit aufnehmen. ModCloth ist ein relativ kleines Unternehmen, und so gestaltet sich für uns die Verpflichtung zur Abnahme einer großen Bestellmenge durchaus schwierig, wenn wir nicht mit einhundertprozentiger Sicherheit davon ausgehen können, dass unsere Kunden die Modelle ebenso lieben werden wie wir."
Derzeit kandidieren in dem Unternehmen 61 Designs, über die der ModeCloth-Fan abstimmen kann. Da das zu erwartende Interesse des Kunden am Produkt letztendlich ausschlaggebend ist für die Entscheidung, ob ein bestimmter Artikel tatsächlich produziert wird oder nicht, wird das Zielpublikum geradezu ermuntert, zu jedem Design seine Meinung zu äußern und diese auch über Facebook und Twitter an Freunde weiterzuvermitteln. Auf diese Weise etabliert sich der gesamte Abstimmungsprozess für ModeCloth zu einem aussagekräftigen und damit äußerst nutzbringenden Instrument für Marktforschung und Werbung.
Kunden, die einem bestimmten Modell ihr "Ja" gegeben haben, werden unverzüglich per E-Mail benachrichtigt, wenn sich ModCloth für dessen Produktion entschieden hat. Sobald das Kleidungsstück verfügbar ist, sind sie die ersten, die es erwerben und tragen dürfen. Normalerweise werden die in der Abstimmung als Sieger hervorgegangenen Modelle erst ein paar Wochen später zum Verkauf angeboten.
Auch wenn das Konzept des „Einkäuferkunden" nicht in allen Bereichen des Handels oder der Produktion aufgehen kann, so ist es trotzdem mit Sicherheit eines, von dem viele Parteien profitieren. Die Kunden fühlen sich auf der einen Seite stärker in die Entscheidungen mit einbezogen und auf der anderen Seite kann der Anbieter die Kaufentscheidungen des Kunden sehr viel besser prognostizieren.
Website: www.modcloth.com/storefront/products/be_the_buyer
Kontakt: support.modcloth.com
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Foto: © Leonid Nyshko - Fotolia.com
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