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Interview BPCC: Die Kaffeepiraten stechen in See

Die Black Pirate Coffee Crew ist der weltweit erste Shoping-Club für Kaffeeliebhaber. Im Interview verraten die zwei Existenzründerinnen wie aus einer Idee ein innovatives Geschäftsmodell wurde.

Über die BPCC: Wer oder was steckt eigentlich hinter diesem Kürzel?

BPCC steht für die Black Pirate Coffee Crew und wurde von den Schwestern Carolin Maras und Annika Poloczek vor knapp einem Jahr ins Leben gerufen. Die beiden haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt zu umschiffen und Interessierte über das Kaffee-Universum aufzuklären.

Dies geht natürlich am besten mit der Ware an Bord und einem geeigneten Untersatz, der Gleichgesinnte jederzeit mit offenen Armen aufnimmt. Denn die BPCC befindet sich nicht an Bord eines alten eingestaubten Schiffs. Nein, die Crew ist immer auf der Suche nach neuen tollen Kaffeesorten und interessanten Herstellern und Röstereien und befährt dabei auch unbekannte Gewässer. Interessantes zum Thema und exklusive Mischungen werden für die BPCC Community zusammengetragen, denen die Herkunft und Qualität Ihres Lieblings Getränks ausgesprochen wichtig ist. So wurde aus dem eigenen Anliegen für mehr Transparenz rund um die braunen Bohnen ein Konzept, das sich durchsetzt und auf breiten Zuspruch stößt.

Auf dem Flaggschiff interviewten wir die beiden Gründerinnen der BPCC und konnten für Sie eine neue innovative Art der Existenzgründung dokumentieren.

 

Thema „Existenzgründer und Ihre Marketingstrategien"

    Frau Poloczek, Frau Maras, sie gründeten vor gut einem Jahr die Black Pirate Coffee Crew. Können Sie uns erläutern, wie es dazu kam?

Frau Poloczek, Frau Maras: Die Idee zur Black Pirate Coffee Crew kam uns im Sommer 2008, als wir in unserer Heimatstadt Freiburg im Café saßen und beschlossen, dass mal endlich einer nachfragen muss. Keiner der anwesenden Kellner wusste nämlich, woher der gerade servierte Espresso kommt, welche Bohne das eigentlich ist. Für uns ein Schlüsselerlebnis - Wie kann das sein? Als echte Badenserinnen waren wir schließlich mit einer ständigen Informationsflut über die dort angebauten Weine aufgewachsen. Kaffee, dessen Qualität ebenso wie bei Wein unter anderem auf Herkunftsland und Anbau basiert, wird hingegen immer noch als Katze im Sack verkauft. Das war der Moment in dem wir beschlossen von nun an selbst mit Kaffee zu handeln. Aber nicht mit irgendeinem: Kleinröster wollen wir unterstützen. Denn schon nach kurzer Recherche wurde uns klar, dass es unzählige kleine Röstereien allein in Deutschland gibt, die Kostbarkeiten rösten, mit denen der Massenkaffee in deutschen Tassen nichts zu tun hat. Bis das Piratenschiff der Black Pirate Coffee Crew dann endlich Fahrt aufnehmen konnte, bedurfte es dann noch ein Jahr der Planung und Vorbereitung. Im Oktober 2009 hissten wir schließlich die Segel und stachen in See - immer auf der Suche nach dem besten Kaffee.

    Ihre Website macht nicht den Eindruck eines gewöhnlichen Online-Coffee-Shops. Hier weht dem Besucher das Gefühl von Abenteuer, Entdeckerlust und Genuss in gemeinsamer Runde entgegen. Welches Konzept steckt dahinter?

Frau Poloczek, Frau Maras: Das Grundkonzept der Black Pirate Coffee Crew ist der weltweit erste Shopping-Club für Kaffeefreunde. Bei den Kaffeepiraten sollen vor allem Kleinröster eine Plattform erhalten, auf der sie ihre hochwertigen Kaffees einer passgenauen Zielgruppe vorstellen können. In regelmäßig wechselnden Verkaufsaktionen - wie man es auch von Shopping-Clubs aus z.B. dem Modebereich kennt - werden besondere Kaffees sowie das passende Kaffee-Zubehör angeboten und ausführlich über Herkunft, Qualität und Verarbeitung informiert. Ziel ist es, gerade der jüngeren Generation von bewussten Kaffeetrinkern eine Alternative zum industriellen Kaffee-Einheitsbrei zu bieten. Bei uns steht dabei nicht der Preis im Vordergrund, sondern die Qualität und Einzigartigkeit der Produkte. Bei uns finden Kaffeefreunde Dinge, die man sonst nur schwer oder gar nicht kaufen kann. Darüber hinaus steht unseren Mitgliedern eine stetig wachsende Bibliothek über Kaffeewissen kostenlos zum Download zur Verfügung. So kann jeder zum echten Kaffeekenner werden.

Durch unser progressives (manchmal auch als leicht provozierend empfundenes) Design, wollen wir das bisherige Kaffee-Image entstauben: Bei uns gibt es keine Bilder von Frauen, die vor dem Kamin eine dampfende Tasse Kaffee trinken, das kann und will doch keiner mehr sehen.

    Ein junges Unternehmen mit einer genialen Idee, die von Herzen, besser gesagt aus dem Bauch kommt. Inzwischen haben Sie sich erfolgreich etabliert. Welche Hürden mussten Sie in der Anfangszeit überwinden?

Frau Poloczek, Frau Maras: Bei uns lagen und liegen die größten Schwierigkeiten ganz klar im technischen Bereich. Da wir im Team keine Programmierer haben, mussten wir diesen Bereich von Anfang an auslagern. Diese Dienstleistung einzukaufen geht nicht nur ins Geld. Da der Online-Shop das Herzstück unseres Konzeptes ist, war es natürlich von Beginn an unerlässlich, dass sämtliche Abläufe reibungslos funktionieren. Leider mussten wir hier die ein oder andere spitze Klippe umsegeln und viele Seestürme über uns ergehen lassen. Mittlerweile steht unser Flagschiff aber ganz gut da, wie wir finden. Eine weitere Schwierigkeit liegt noch immer im finanziellen Bereich. Da wir die Black Pirate Coffee Crew komplett aus eigenen Mitteln finanzieren, sind die Golddukaten bei uns an Bord leider immer etwas knapp. Das macht manchmal keinen Spaß aber durchaus erfinderisch. Wenn man sich täglich überlegen muss, welche PR- oder Marketing-Maßnahmen man machen kann, ohne dafür Geld auszugeben, muss man schon kreativ sein. Vieles läuft ohne Geld einfach langsamer, wir sind dafür aber umso stolzer, wenn wir sehen, was wir trotz geringer Mittel schon alles erreicht haben.

    Worin genau liegt der Mehrwert, mit dem Sie Menschen überzeugen, vom Kaffeeliebhaber zum Kaffeepirat zu werden?

Frau Poloczek, Frau Maras: Da stehen wir vor den gleichen Hürden wie jede andere Marke auch. Heute hat der Verbraucher in allen Bereichen eine Auswahl, die seine Bedürfnisse mehr als befriedigt und teilweise sogar zu einer gewissen Überforderung führt. Es wird immer schwieriger, sich als Marke von der Masse abzuheben und den Kunden zu binden.

Unserer Meinung nach geht das am nachhaltigsten über Qualität und Transparenz. Gerade beim Thema Kaffee wurde der Verbraucher in den letzten Jahren oft an der Nase herum geführt, unrealistische Preise haben den Markt verdorben und die Beimischung von Zusatzstoffen wie z.B. Zucker im Röstkaffee haben am Kaffee-Image gekratzt und zu Verunsicherung seitens der Kunden geführt.

Wir bieten Kaffeetrinkern nicht nur eine geschmackliche Alternative zum industriellen Massenkaffee, sondern informieren ihn auch ausführlich über jedes Produkt, das wir anbieten. In unserem Shop findet der Kunde bei jedem Produkt eine Telefonnummer, die er bei auftretenden Fragen anrufen kann. Jeder angebotene Kaffee wird von uns selbst getestet und der Test anschließend auf unserem Blog veröffentlicht. Wir stellen nicht nur die Produkte, sondern auch die Menschen dahinter ausführlich vor: Das fängt bei der Rösterei an und hört bei den Kaffeebauern in den Erzeugerländern auf. Unsere Kunden wissen also genau, was sie da trinken und wo es herkommt. Das ist heute leider keine Selbstverständlichkeit und - wie wir finden - ein echter Mehrwert.

Zusätzlich wollen wir mit unserem Konzept den Community-Gedanken stärken. Unsere Mitglieder sollen mitbestimmen und ihre Meinungen und Wünsche äußern können. Das erreichen wir natürlich vor allem über Social Networks wie Facebook und Twitter aber auch über unser Blog. In Kürze werden unsere Kunden mit in den Abstimmungsprozess eingebunden, welche Kaffees wir anbieten sollen, welche Kleinröster konstant in unseren Shop aufgenommen werden undundund.

Ein Kaffeepirat ist nicht einfach nur ein Kunde, der Kaffee mag, sondern vielmehr ein Mitglied der Crew, auf dessen Meinung wir Wert legen und der die Gestaltung der Black Pirate Coffee Crew mitbestimmen kann.

    Kaffee ist nicht gleich Kaffee, und nicht jeder ist ein Experte in Sachen Kaffee wie Sie. Welche Strategien wenden Sie an, um Amateuren die Welt des Kaffees nahezubringen?

Frau Poloczek, Frau Maras: Erfreulicherweise zeichnet sich seit ein paar Jahren eine Bewegung in der Kaffeeszene ab, die vom anspruchslosen Filterkaffeetrinker oder Coffee-to-Go-Konsumenten hin zum anspruchsvollen und kritischen Kaffee-Genießer geht. Wie bei jedem Trend hat sich auch hier sehr schnell eine Experten-Fraktion gebildet, die über ein enormes Wissen verfügt, sich aber gegenüber so genannten „Kaffee-Anfängern" oftmals etwas elitär und herablassend verhält. Viele Kaffeetrinker, die sich mit dem Thema näher auseinandersetzen wollen, werden davon leicht abgeschreckt und fühlen sich unwohl, wenn sie bei Diskussionen über die richtige Brühtemperatur oder den perfekten Mahlgrad nicht über die nötigen Fachbegriffe und Erfahrung verfügen.

Wir schreiben nun schon seit einem Jahr unser Blog, das sich mit allen relevanten Kaffee-Themen beschäftigt, diese aber bewusst „leicht verständlich" beschreibt. Dass wir selbst in mancherlei Hinsicht blutige Anfänger sind, wollen wir dabei gar nicht vertuschen. Auch wir sind keine ausgebildeten Baristi, die seit 20 Jahren hinter der Siebträgermaschine stehen und aus Milchschaum die beste Latte Art zaubern, die die Welt je gesehen hat. Um Neulinge von der Faszination Kaffee überzeugen zu können und sie dafür zu begeistern, sollte man nicht von oben herab kommunizieren, sondern Auge in Auge. Nur so kann man Verunsicherung beim Gegenüber vermeiden, die zu einer abwehrenden Haltung führen könnte. Genau das versuchen wir auf allen Kanälen, über die wir mit unserer Crew kommunizieren können. Wir wollen zeigen, dass jeder zum Kaffeekenner werden kann und, dass man dabei eine ganze Menge Spaß hat. Und wir schämen uns nicht, von manchen Leuten belächelt und als „Coffee Geek" abgestempelt zu werden. Wir wollen authentisch sein und damit die Leute für unsere Leidenschaft zur kleinen braunen Bohne begeistern.

    Über kurz oder lang müssen Sie mit Konkurrenz auf dem Markt rechnen. Wie sieht Ihr Maßnahmenkatalog aus, um in Zukunft Ihre Mannschaft nicht nur an Bord zu halten sondern zusätzlich aus Ihrem Schiff eine Flotte zu machen?

Frau Poloczek, Frau Maras: Ein Vorteil, den man als First Mover gegenüber Nachahmern hat, ist der Faktor Zeit. Schließlich war man der erste mit der Idee, man hat einen gewissen Wissensvorsprung, hatte schon Zeit, die Marke zu etablieren und aus Kunden Fans zu machen. Eine starke Markenbindung und die damit verbundenen Strategien sind daher für uns ein absolutes Muss, um gegen zukünftige Konkurrenten gewappnet zu sein und weiter wachsen zu können. Eine Identifikation mit der Marke wollen wir, wie oben schon erwähnt, durch die hohe Qualität unserer Produkte, durch eine konsequente Transparenz in allen den Kunden betreffenden Bereichen und die konstante Interaktion mit unseren Kunden erreichen. Sind aus Kunden erst einmal Fans geworden, muss sich ein Konkurrent schon sehr anstrengen, um sie abzuwerben. Wir fühlen uns einer drohenden Konkurrenz also durchaus gewappnet - schließlich kennen wir uns als Piraten mit Meutereien gut aus.

 

Wir danken Frau Poloczek und Frau Maras für dieses interessante und erfrischende Gespräch auf hoher See.

 

Kontakt: www.bpcc.de

 

 

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